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             Die UNESCO will sich mehr Gehör verschaffen

Paris
Dezember 2001

In den letzten Monaten erschütterten mehrere katastrophale Ereignisse die Welt. Sie haben uns gezeigt, daß die Anstrengungen jener internationalen Organisationen, die sich für Frieden und den Dialog zwischen den Kulturen einsetzen, wichtiger sind als je. Das gilt auch für die UNESCO und ihr Eintreten für Anliegen wie Bildung für alle, kulturelle Vielfalt, Pressefreiheit oder die Bekämpfung der Armut.
Dennoch wird die UNO-Sonderorganisation in der Öffentlichkeit schon seit einiger Zeit kaum mehr wahrgenommen. Damit kann sich die UNESCO nicht abfinden. Nicht aus Eitelkeit, sondern weil die geringe Beachtung die Wirkung ihrer Bemühungen erheblich einschränkt. Gerade in unserer Zeit, die dringend ethischer Grundsätze bedarf, ist das unannehmbar.
Die UNESCO hat daher beschlossen, ihre Informationspolitik radikal zu ändern. Wir müssen alle Bürgerinnen und Bürger erreichen, nicht nur jene, die sich für die Zielsetzungen der Organisation interessieren. Fragen wie das Klonen von Menschen, die gerechte Verteilung der Wasserressourcen und der Informationstechnologie, der Zugang zu Bildung und Forschung oder der Schutz unserer Kultur- und Naturgüter gehen alle Menschen an. Es ist Aufgabe der UNESCO, mit Daten und Fakten in die Diskussion um diese und weitere Themen aus den Bereichen Bildung, Kultur und Wissenschaft einzu­greifen. Vor allem aber muß sie die universellen Werte bekanntmachen, für die sie einsteht.
Solche Aufgaben lassen sich heute nicht ohne die Hilfe der Medien bewältigen. Die UNESCO ist angewiesen auf Tageszeitungen, Zeitschriften, Hörfunk und Fernsehen sowie auf das Internet, damit ihre Anliegen und Aktivitäten in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, muß sie ihre Mitarbeiter und Mittel anders einsetzen. Deshalb wurde beschlossen, den UNESCO-Kurier im seiner jetzigen Form auf Ende 2001 einzustellen. Er wird durch eine neue Zeitschrift ersetzt, die zweimal im Jahr (Mai und Oktober) in den offiziellen Sprachen der UNO (Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch) erscheinen und kostenlos verteilt werden soll.
Das ist eine schmerzliche und nicht unumstrittene Entscheidung. Doch sie darf keineswegs als Ende eines langjährigen und oft großartigen Abenteuers gesehen werden.
Die UNESCO unter ihrem heutigen Generaldirektor Koichiro Matsuura ist fest entschlossen, sich von nun an in der öffentlichen Diskussion zu Wort zu melden und mehr Gehör zu verschaffen.


Michel Barton
Direktor des Büros für Öffentlichkeitsarbeit (BPI) am Hauptsitz der UNESCO

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